Das Bauamt des Weltkulturerbe Regensburg scheint sich mit Begriffen wie "Kunst" und "Kultur" etwas schwer zu tun.
Seit mitte April 2009 steht steht ein bislang wenig beachtetes Gebäude an der Peripherie des Stadtteils Stadtamhof im Mittelpunkt des Medieninteresses - selbst dem ZDF war der Fall "Buntestes Haus Bayerns" einen Bericht wert.
Die Regensburger Bürger finden zum Großteil Gefallen an der Idee des Malermeisters Franz Rebl, sein Haus von einem Künstler in bunten Farben liebevoll gestalten zu lassen. Anders das Regensburger Bauordnungsamt: Für die Behörde ist das Bunte Haus der sprichwörtliche Dorn im Auge, das den "Tatbestand der Verunstaltung" erfüllt. Auch sei die Sicherheit des Straßenverkehrs gefährdet, da Autofahrer durch die bunten Farben in ihrer Aufmerksamkeit beeinträchtigt werden könnten. Und aus diesem Grund fordert das Bauamt vom Malermeister, den Anstrich des Gebäudes entsprechend der Regensburger Bauordnungsvorschriften zu ändern. Wie ein der Behörde genehmer Anstrich aussehen kann, sehen Sie auf den Bildern unten der in unmittelbarer Nähe des Reblhauses liegenden Bürohäuser entlang der Frankenstrasse - äußerst fantasievoll und anregend wie übrigens auch etwa 95% aller weiteren bauordnungskonformen Geschäftsgebäude der Stadt.
Was aber spricht nun gegen die anregenden Farbtupfer in der Drehergasse? Ein Konflikt mit dem mittelalterlichen Altstadt-Ensemble? Für Nicht-Regensburger: Das Gebäude liegt an einer vierspurigen Hauptverkehrsstraße in unmittelbarer Nachbarschaft zu den bereits oben angesprochenen modernen Bürosilos - von der Altstadt aus wäre das Haus gar nicht zu sehen!
Auch das Argument mit der Gefährdung des Straßenverkehrs erscheint etwas "an den Haaren herbeigezogen": Wer sich mit offenen Augen durch den Regensburger Straßenverkehr bewegt, dem dürften wohl kaum die Werbeanzeigen rotierenden Reklametafeln entgangen sein, die sich in den letzten Monaten mehr und mehr am Straßenrand ausbreiten - und die mit ihren plötzlich und schnell wechselnden Werbeplakaten nicht nur die Aufmerksamkeit des Autofahrers beeinträchtigen, sondern diesen durch die überraschende Bewegung regelrecht erschrecken können - welche städtische Behörde wohl diese Tafeln genehmigt und ... warum?
Also scheint wieder einmal nur der Schluß übrig zu bleiben, daß hier eine Behörde einzig und allein ihren eigenen Vorschriften Genüge tun will. Das starre Beharren auf Regeln ohne Überprüfung, ob diese im individuellen Fall wirklich sinnvoll sind, hat im deutschen Beamtentum ja leider Tradition. Auch ob die Aussage des Bauamtes, hier solle "... ein grober gestalterischer Missgriff vorliegen, der vom gebildeten Durchschnittsbeobachter als belastend ... empfunden wird." von allen gebildeten Bürgern so geteilt wird, dürfte stark bezweifelt werden.
Und so steht leider zu befürchten, daß Malermeister Rebl noch einen langen und harten Weg durch das Dickicht der Bürokratie vor sich haben wird wenn er, was ich sehr hoffe, weiterhin bei seiner mutigen Haltung bleiben sollte. Zumindest der moralischen Unterstützung vieler Regensburger dürfte er sich dabei sicher sein: Denn wenn man in die Gesichter der Menschen blickt, die das Haus in seiner grauen Nachbarschaft betrachten, kann man an den Reaktionen der meisten von ihnen erahnen, wie sehr sie sich über die wohltuenden Farben inmitten des Einheitsgrau und über den Hauch von Individualität inmitten allgegenwärtiger Konformität in "diesem unseren Lande" freuen können.
Am Sonntag, 12. September 2010, steht der Denkmaltag unter dem Motto "Kultur in Bewegung – Reisen, Handel, Verkehr".
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