Das Alte Rathaus zeugt von der Reichsfreiheit und der Selbst-Verwaltung der Stadt im Mittelalter. Nach dem Vorbild der mächtigen Patrizierburgen entstand zunächst Mitte des 13. Jahrhunderts der mittlere Teil des Komplexes mit dem Rathausturm und dem zugehörigen Wohntrakt einer typischen Patrizierburg.
Um 1360 folgte der westliche Anbau, das Reichssaalgebäude mit gotischem Erker und Stadtwappen. Der prächtige Reichssaal diente ursprünglich als Tanz - und Festsaal für den Rat und wurde später (1663 - 1806) Sitzungssaal des "Immerwährenden Reichstags".
Westlich davon schloss sich der Ratssaal an, unten befanden sich Läden, später wurde dort die Folterkammer ("Fragstatt") eingerichtet.
1408 entstand die Vorhalle mit gotischem Portal mit den darüber befindenden Figuren "Schutz" und "Trutz", zwei Soldaten, welche die Stadtmauer verteidigen. Diese beiden Figuren symbolisieren nicht nur die Wehrhaftigkeit der Stadt, sondern auch deren Reichsfreiheit und Selbstverwaltung. Sie wachten auch über die Stadtmaße Schuh, Elle und Klafter, die am Eckpfosten der Treppe in Eisen gelegt sind.
Nach weiteren 400 Jahren erfolgte der östliche Anbau im Stil des Barock. Rathaus und Rathausplatz haben mit der Erlangung der Reichsfreiheit den Alten Kornmarkt als politisches Zentrum der Stadt abgelöst und zeugen noch heute von dem Selbstbewußtsein der Regensburger Bürger.
Später wurden dem Rathaus druch Ankäufe von umliegenden Privathäusern weitere Räume hinzugefügt, die früher als Fürstenkollegium u. ä. dienten. Nach einer weitgehenden Renovierung in den Jahren 1904 und 1973 befinden sich heute hier das Reichstagsmuseum sowie Repräsentationsräume der Stadt Regensburg.
Geschichte der Stadt Regensburg, 2 Bde.ISBN-Nr.: 3791716824
Regensburg war in seiner nahezu 2000jährigen Geschichte lange Zeit ein herausragender Schauplatz des politischen, kirchlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens in Bayern und im Alten Reich. Die letzten Gesamtdarstellungen der Geschichte Regensburgs stammen aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts und werden den Ansprüchen, die heute an eine moderne Stadtgeschichte gestellt werden, nicht mehr gerecht. Seitdem sind zahlreiche Bereiche der Regensburger Stadtgeschichte unter modernen Fragestellungen mit neuen Ergebnissen untersucht worden. Diese Ergebnisse werden in der zweibändigen 'Geschichte der Stadt Regensburg' von über 50 Fachleuten in einer umfassenden Gesamtschau präsentiert. Dabei spannt sich der Bogen der Themen von den neuesten archäologischen Erkenntnissen zur Frühzeit des Regensburger Raumes bis zu Fragen der Gegenwart wie Industrieansiedlung, Entwicklung der Universität oder Altstadtsanierung.
Über den Autor
Prof. Dr. Peter Schmid ist 1995 Inhaber des Lehrstuhls für Bayerische Landesgeschichte an der Universität Regensburg.
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