Die Neupfarrkirche am Neupfarrplatz in der Regensburger Altstadt befindet sich an der Stelle, an der ursprünglich die Synagoge der Regensburger Juden gestanden haben soll. Im Februar des Jahres 1519 jedoch wurde die älteste Judengemeinde Bayerns nach den Regensburger Pogromen zerschlagen und aus der Stadt vertrieben und die Synagoge abgebrochen. Um einen Wiederaufbau zu verhindern, wurde an ihrer Stelle eine der Gottesmutter geweihte Holzkapelle errichtet.
Um den Kaiser - damals Schutzherr der Regensburger Juden - wegen der Pogrome milde zu stimmen, musste ein "Wunder" bemüht werden: Ein Steinmetz war beim Abbruch der Synagoge abgestürzt und hatte das Unglück auf wundersame Weise überlebt.
Daraufhin entwickelte sich eine „Wallfahrt zur Schönen Maria“, die sich innerhalb von drei Jahren mit mehr als 25.000 gelesenen Messen zu einer der meistbesuchten Wallfahrten in Europa wurde. Um die Pilgermassen bewältigen zu können, beauftragten die Regensburger Stadtväter den Architekten Hans Hieber mit dem Bau einer neuen Wallfahrtskirche. Dessen Konzept eines sechseckigen Zentralbaus mit langem Chor und zwei Türmen blieb jedoch unvollendet, als Regensburg im Jahre 1542 der evangelisch-lutherischen Konfession beitrat und die Kirche zur ersten neuen evangelischen Pfarrkirche, der heutigen „Neupfarrkirche“ wurde.
Erst in den Jahren 1860-1863 wurde die Kirche vom Münchner Architekten Ludwig Foltz durch die Aufstockung des Südturms und den Bau des abschließenden Westchores in ihrer heutigen Form vollendet.
Der einschiffige Renaissancebau mit spätgotischen Elementen erhebt sich auf einem Terrassensockel inmitten des größten Platzes der Altstadt und ist heute auch die evangelische Universitätskirche von Regensburg.
Weitere Informationen auf der Website der Neupfarrkirche
Das document Neupfarrplatz, ein Informationszentrum nach einer Konzeption der Regensburger Architekten Lydia Lehner und Franz Robold bereitet die 2000jährige Geschichte des Neupfarrplatzes mit einer multimedialen Präsentation auf. In den Räumen unterhalb des Platzes sind heute noch Mauerzüge und Fragmente eines Ziegelplattenbodens des römischen Legionslagers, Überreste von mittelalterlichen Kellern des damaligen Judenviertels, sowie die Fundamente der Neupfarrkirche und Teile des 1940 von den Nationalsozialisten erbauten Ringbunkers zu sehen.
Der Grundriss der bei Ausgrabungen in den Jahren 1995-1998 entdeckten gotischen Synagoge wird durch ein am 13. Juli 2005 eingeweihtes begehbares Bodenrelief aus weißem Beton sichtbar an der Oberfläche des Neupfarrplatzes abgebildet. Entworfen und realisiert wurde dieses Objekt vom israelischen Künstler Dani Karavan - es stellt heute einen der Anziehungspunkte des Platzes dar.
Weitere Informationen auf der Website des document Neupfarrplatz
Regensburg: Grundriss der GeschichteISBN-Nr.: 3833491248
Autor: Klaus Rappert
Ein wichtiges Element der Einzigartigkeit Regensburgs ist sein geschichtliches Erbe, das im Juli 2006 durch die Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste gewürdigt wurde. Diese Darstellung führt durch die Regensburger Geschichte und erklärt die historischen Grundlagen des heutigen Stadtbildes. Der Bogen spannt sich von der Vorgeschichte über die Römerzeit, das Hochmittelalter, die Zeit der Freien Reichsstadt und des Immerwährenden Reichstags, das 19. und 20. Jahrhundert bis hin zu einem Ausblick auf die künftige Entwicklung. Hervorgehoben werden die wichtigsten erhaltenen Zeugnisse der einzelnen Epochen. Damit wird deutlich: Das heutige Regensburg ist unmittelbares Spiegelbild seiner Geschichte ist und schöpft gerade daraus seinen besonderen Reiz.
Inhalt:
Mit weiterführenden Anmerkungen, Literaturhinweisen, Hinweis auf Internetseiten zum Thema, umfassendem Register und zahlreichen, teilweise farbigen, Abbildungen.
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